Anarchie & Tierberfeiung

Strategie und Vernetzung in Zeiten von Kriegen, Rechtsruck und Klimakollaps

Selbstverständnis

Dieses Bewegungswochenende ist ein politischer, solidarischer und selbstorganisierter Raum.
Es richtet sich an Menschen, die Tierbefreiung als Teil eines umfassenden gesellschaftlichen Befreiungskampfes verstehen – gegen Kapitalismus, Staat, Patriarchat, Kolonialismus und alle Formen von Herrschaft.

Es dient dem gemeinsamen Lernen, dem bewegungsübergreifenden Austausch und der Vernetzung. Dieses Selbstverständnis macht transparent, wofür wir stehen, welche politischen Haltungen die organisierenden Kollektive tragen und welchen Rahmen dieser Raum hat.


Wir kämpfen für die vollständige Befreiung von Menschen und nicht-menschlichen Tieren. Unsere Perspektive ist nicht die Reformierung bestehender Verhältnisse, sondern ihre Überwindung.

Tierausbeutung ist kein Betriebsunfall eines ansonsten funktionierenden Systems, sondern ein struktureller Bestandteil kapitalistischer, staatlicher und neokolonialer Herrschaft. Sie lässt sich nicht „verbessern“ oder „humanisieren“, sondern muss beendet werden.

Gleichzeitig lehnen wir es ab, Veränderungen oder Reformen pauschal zu verwerfen. Für uns sind sie kein Ziel an sich, können aber Teil politischer Praxis sein, wenn sie aus Druck von unten entstehen, Machtverhältnisse verschieben, Ausbeutungsstrukturen angreifen und Befreiungskämpfe stärken.
Reformen, die das bestehende System stabilisieren oder legitimieren, lehnen wir ab.

Dazu zählen insbesondere Tierschutzansätze, die Ausbeutung verwalten oder gesellschaftlich akzeptabler machen – beispielsweise sogenannte „bessere Haltungsformen“, bei denen Ressourcen in den Umbau von Ausbeutung fließen und damit der notwendige grundlegende Wandel blockiert wird. Geforderte Veränderungen sollten daher immer danach bewertet werden, ob sie Herrschaftsverhältnisse schwächen oder festigen.

Dieses Bewegungswochenende ist daher kein Raum für:

  • Tierschutz- oder Reformlogiken, die Ausbeutung verwalten oder legitimieren
  • moralischen Konsum, individualisierte Schuldzuweisungen oder Lifestyle-Aktivismus
  • marktförmige, unternehmerische oder staatliche „Lösungsansätze“
  • Strategien, die Tierbefreiung von Antikapitalismus, Antidiskriminierung oder Herrschaftskritik trennen

Ansätze, die Tierausbeutung isoliert betrachten und gesellschaftliche Macht- und Gewaltverhältnisse ausblenden, halten wir für politisch verkürzt und unvereinbar mit unserem emanzipatorischen Anspruch.

Unsere Praxis ist antikapitalistisch, anti-staatlich, antifaschistisch und anti-autoritär.

Tierbefreiung ist für uns untrennbar verbunden mit der Überwindung aller Unterdrückungsverhältnisse, darunter Rassismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit, Ableismus, Antisemitismus und speziesistische Gewalt.

Wir arbeiten nicht mit Gruppen oder Personen zusammen, die Diskriminierung vertreten, verharmlosen oder nicht klar benennen. Auch vermeintlich „neutrale“ oder „unpolitische“ Positionen sind für uns keine Option, wenn sie strukturelle Gewalt ausblenden.

Instrumentalisierende Vergleiche – etwa mit dem Holocaust, sexualisierter Gewalt oder anderen historischen Traumata – lehnen wir ausdrücklich ab.

Konkret bedeutet das für diesen Raum:

Selbstdarstellungen, Merchandise, Logos oder Kampagnen von Gruppen oder Einzelpersonen, die

  • soziale Unterdrückung ausklammern oder relativieren,
  • sich nicht klar nach rechts abgrenzen,
  • autoritäre, populistische oder menschenfeindliche Narrative reproduzieren,
  • oder Tierbefreiung von Antikapitalismus und Antidiskriminierung entkoppeln,

sind auf diesem Bewegungswochenende nicht erwünscht.

Dazu zählen unter anderem (nicht abschließend):
Anonymous for the Voiceless, „Militante Veganerin“, „Richtig laut vegan“, „Neon Protest“ sowie vergleichbare Projekte.

Diese Abgrenzung richtet sich nicht gegen einzelne Teilnehmende, sondern gegen politische Linien, die mit dem Selbstverständnis dieses Wochenendes unvereinbar sind.

Die Tierindustrie ist untrennbar verwoben mit Kapitalismus, Kolonialismus, Klimazerstörung, imperialer Landwirtschaft und globalen Ungleichheiten. Wir kämpfen gegen ein System, das Profit über Leben stellt und dabei Menschen, Tiere und Ökosysteme gleichermaßen zerstört.

Unser Widerstand richtet sich gegen die Profiteur*innen dieser Verhältnisse – nicht gegen ausgebeutete Arbeiter*innen, die häufig unter prekären, migrantisierten und entrechteten Bedingungen arbeiten.

Die gemeinsame Praxis auf diesem Bewegungswochenende ist gewaltfrei gegenüber Menschen. Diese Entscheidung ist ein kollektiver Rahmen für diesen Raum und stellt kein moralisches Urteil über Selbstschutz oder Selbstverteidigung in anderen Kontexten dar.

Wir erkennen an, dass sich das kapitalistische System – und mit ihm die Tierindustrie – in einer ökologischen, sozialen und ökonomischen Zuspitzung befindet, die sich im Zuge des Klimakollapses weiter verschärft.

Angesichts dieser Tatsache ist der Aufbau solidarischer und handlungsfähiger Strukturen sowie das Schaffen von Räumen, in denen Austausch zu Gefühlen von Erschöpfung, Ohnmacht, Wut und Zweifel möglich ist, notwendig.

Dieses Bewegungswochenende soll ein solcher Raum sein.

Dieses Bewegungswochenende ist kein parteipolitischer Raum. Parteipolitische Mobilisierung, Werbung oder strategische Platzierung sind nicht erwünscht.

Parteimitglieder können als Privatpersonen teilnehmen, sofern sie dieses Selbstverständnis respektieren und nicht im Namen oder Interesse einer Partei auftreten.

Wir bitten darum, auf Partei- und Nationalflaggen sowie nationalistische Symbole zu verzichten. Ausnahmen können Symbole antikolonialer, emanzipatorischer Befreiungskämpfe sein. Wir behalten uns vor, diese Ausnahmen einzuschränken, wenn sich Menschen dadurch eingeschüchtert oder ausgegrenzt fühlen.

Als emanzipatorische Bewegung solidarisieren wir uns mit den Menschen in Palästina. Ernährungssouveränität und Befreiung gelten für uns ohne Ausnahme. Wir orientieren uns als Anarchie & Tierbefreiung unter anderem am offenen Brief der Farmers without Borders.

Wir, die organisierenden Kollektive, stellen uns gegen den israelischen Genozid an den Palästinenser*innen und treten für ein befreites Palästina ein. Unsere Solidarität mit Palästinenser*innen richtet sich gegen Entrechtung und Gewalt, nicht gegen jüdische Menschen; antisemitische Positionen lehnen wir ab.
 
Die palästinensische Flagge ist in diesem Kontext kein nationalistisches Symbol, sondern Zeichen eines antikolonialen Befreiungskampfes. Deshalb ist das Tragen der Fahne und ebenso das Tragen einer Kufiya auf dem Bewegungswochenende als Solidaritätsbekundung für uns legitim.

Awareness ist ein zentraler Bestandteil dieses Bewegungswochenendes. Ziel ist ein möglichst sicherer, achtsamer und solidarischer Raum – insbesondere für Menschen, die von Diskriminierung, Gewalt oder Marginalisierung betroffen sind.

Unsere Awarenessarbeit orientiert sich an Prinzipien transformativer Gerechtigkeit: Verantwortung statt Bestrafung, Schutz und Unterstützung von Betroffenen sowie kollektive Auseinandersetzung mit Grenzüberschreitungen und ihren strukturellen Ursachen.

Grenzüberschreitendes, diskriminierendes oder übergriffiges Verhalten wird ernst genommen und nicht relativiert. Wir erwarten von allen Teilnehmenden die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und zur gemeinsamen Sicherheit dieses Raums beizutragen.

Ein ausführliches Awarenesskonzept mit Kontaktmöglichkeiten wird vor dem Bewegungswochenende veröffentlicht.